Die Kommissionierung bezeichnet den Prozess, bei dem aus einem Lagerbestand gezielt die für einen Auftrag benötigten Materialien, Baugruppen oder Einzelteile entnommen und zusammengestellt werden.
In KMUs, also kleinen und mittelständischen Unternehmen des Sondermaschinen- und Anlagenbaus, ist die Kommissionierung oft projektbezogen. Das bedeutet:
Einzelfertigung statt Serienproduktion – Materialien werden nicht standardmäßig auf Vorrat kommissioniert, sondern gezielt für jedes Projekt.
Hohe Variantenvielfalt – Die Stücklisten sind komplex und können mehrere hundert oder tausend Positionen umfassen.
Enge Terminabstimmung – Verzögerungen in der Kommissionierung wirken sich direkt auf die Montageplanung und den Projektfortschritt aus.
Im industriellen Umfeld existieren verschiedene Kommissioniermethoden, die je nach Unternehmensgröße und Lagerorganisation eingesetzt werden:
Mann-zur-Ware
Der Kommissionierer bewegt sich zu den Lagerplätzen und entnimmt die benötigten Teile.
Vorteil: Geringe Investitionskosten, flexibel bei variierenden Aufträgen.
Nachteil: Höherer Zeitaufwand bei großen Lagerflächen.
Ware-zum-Mann
Automatisierte Systeme oder Fördertechnik bringen die Artikel zum Kommissionierer.
Vorteil: Hohe Effizienz bei häufig benötigten Teilen.
Nachteil: Hohe Investitionskosten, weniger flexibel bei Einzelanfertigungen.
Pick-by-Methoden
Pick-by-Light: Lichtsignale zeigen den Entnahmeplatz an.
Pick-by-Voice: Sprachsysteme geben Anweisungen.
Pick-by-Scan: Mobile Scanner erfassen und bestätigen jeden Pick.
Für KMUs im Sondermaschinenbau ist meist eine Mischform aus „Mann-zur-Ware“ und unterstützender Technologie (z. B. Scanner) praktikabel.
Das Lager im Sondermaschinen- und Anlagenbau umfasst oft:
Langgutlager für Profile, Rohre, Wellen
Kleinteilelager für Schrauben, Normteile, Verbindungselemente
Sonderteilelager für projektspezifische Bauteile
Zwischenlager für angelieferte, aber noch nicht montierte Komponenten
Eine klare Kennzeichnung und Lagerplatzverwaltung (oft in ERP- oder PDM-System integriert) ist entscheidend, um Fehler und Suchzeiten zu minimieren.
Ein typischer Ablauf in KMUs sieht so aus:
Auftragserstellung
Die Montage oder Fertigung meldet den Bedarf – oft über Stücklisten aus dem ERP/PDM.
Kommissionierliste
Das ERP-System erstellt eine Liste mit Artikelnummer, Menge, Lagerort.
Entnahme
Der Kommissionierer sammelt alle Teile aus den Lagerbereichen.
Prüfung und Verpackung
Abgleich mit der Kommissionierliste, ggf. Beschriftung oder Vormontage.
Bereitstellung
Lieferung an Montageplatz oder Versandbereich.
Die Kommissionierung ist im Sondermaschinenbau und Anlagenbau kein standardisierter Massenprozess, sondern eine flexible, projektorientierte Kernaufgabe. Eine gute Organisation im Lager, klare Prozesse und die passende Kommissioniermethode tragen entscheidend zur Termintreue und Qualität bei. Mehr Informationen finden Sie in unserem Blog zur Kommissionierung nach Baugruppen oder lassen Sie sich von uns beraten.