Als Beistellungen bezeichnet man Materialien, Bauteile oder Komponenten, die vom Kunden oder Auftraggeber bereitgestellt und in die eigene Fertigung oder Montage integriert werden. Anstatt alle Teile selbst zu beschaffen, übernimmt der Kunde also die Verantwortung für bestimmte Komponenten. Diese werden dem Hersteller zur Verfügung gestellt, um sie im Projekt zu verbauen.
Beistellungen können z. B. sein:
Normteile oder Spezialkomponenten, die der Kunde zentral einkauft
Elektrische Steuerungen oder proprietäre Baugruppen
Messgeräte, Sensoren oder Prüfmittel
Materialien, die aus Kundengründen vorgeschrieben sind (z. B. Edelstahl bestimmter Güte)
Im Sondermaschinenbau sind Beistellungen sehr häufig, da Kunden oft:
eigene Standards und Vorgaben haben (z. B. bestimmte Steuerungssysteme, Lieferantenbindung),
Kostenvorteile nutzen wollen (Rahmenverträge mit Zulieferern),
oder Kernkomponenten selbst stellen, die in eine größere Anlage integriert werden müssen.
Typische Beispiele:
Der Kunde liefert eine SPS-Steuerung, die in die Maschine integriert werden soll.
Spezialkomponenten (z. B. Messköpfe, Kameras) werden vom Kunden beigestellt und müssen vom Hersteller eingebaut und dokumentiert werden.
Ersatzteile aus Kundenvorrat werden beim Neubau verwendet.
ERP-Systeme bilden Beistellungen als eigene Positionen in Projekten oder Aufträgen ab. Wichtige Punkte:
Kennzeichnung als „beigestelltes Material“ im Artikelstamm oder Auftrag
Keine Kostenbelastung im Einkauf, aber ggf. logistische Abwicklung (Wareneingang, Lagerung, Kommissionierung)
Rückverfolgung im Projekt: Welches beigestellte Teil gehört zu welchem Auftrag?
Auswirkungen auf Kalkulation: Beistellungen reduzieren die Materialkosten im ERP, erfordern aber Zeitaufwand in Fertigung/Montage
PDM-Systeme berücksichtigen Beistellungen in Stücklisten und Dokumentationen. Dadurch wird sichergestellt, dass sie im Konstruktions- und Freigabeprozess berücksichtigt werden.
Flexibilität bei der Projektumsetzung
Kostenersparnis für den Kunden, der eigene Lieferanten einbindet
Transparenz durch klare Abbildung im ERP-System
Risikominimierung bei Normen und Standards, da kundenseitig vorgeschriebene Teile verwendet werden
Wie werden Beistellungen im ERP-System behandelt?
→ Sie werden als eigene Materialposition erfasst, oft mit null Euro bewertet, aber mit Lager- und Auftragsbezug dokumentiert.
Wer ist verantwortlich für Qualität und Funktion beigestellter Teile?
→ In der Regel der Kunde. Der Hersteller prüft jedoch oft bei Wareneingang, ob Teile unbeschädigt und einbaufähig sind.
Wie beeinflussen Beistellungen die Kalkulation?
→ Sie senken die Materialkosten, können aber Zusatzaufwände verursachen (z. B. Lagerung, Prüfungen, Integration). Diese sollten in der Vorkalkulation berücksichtigt werden.
Wie wird mit fehlenden oder verspäteten Beistellungen umgegangen?
→ Sie sind ein Risiko für Terminpläne. ERP-Systeme ermöglichen, Beistellungen terminlich zu überwachen und als offene Positionen im Projekt zu verfolgen.
Müssen Beistellungen in der Dokumentation erfasst werden?
→ Ja, sie sind Teil der Maschinenakte und sollten in Stücklisten, CE-Konformitätserklärungen und Abnahmeprotokollen dokumentiert sein.
Beistellungen im ERP klar kennzeichnen und mit Projekten verknüpfen
Wareneingangsprüfung auch bei Beistellungen durchführen und dokumentieren
Verantwortlichkeiten vertraglich regeln (Qualität, Liefertermin, Gewährleistung)
Eng mit Kunden abstimmen, um Verzögerungen durch fehlende Beistellungen zu vermeiden
Alle Beistellungen in PDM/ERP-Stücklisten erfassen, um eine vollständige Dokumentation sicherzustellen
Beistellungen sind im Sondermaschinen- und Anlagenbau ein fester Bestandteil vieler Projekte. Sie erfordern eine saubere organisatorische und systemtechnische Abbildung, damit Kosten, Termine und Qualität eingehalten werden. Durch die Integration in ERP- und PDM-Systeme bleibt die Transparenz gewahrt – von der Planung bis zur Maschinenakte.
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